Sein absurder Traum ist ausgeträumt18. Mai 2019 04:21


Das haben Träume früher oder später so an sich. Dieser musste scheitern. Die Frage war nur, wieviel Schaden bis dahin angerichtet werden wird. Nein, ich rede nicht von Strache. Der ist Geschichte. Nicht einmal mehr eine Fußnote wert. Ich meine Kurz. Und seinen geradezu grotesken Traum von Allmacht und strategischer Genialität.

Bis Mittag wird er eine Erklärung abgeben. Ich sollte warten, aber es macht mir Spass, die Dinge einzuschätzen. Denn was immer er an strategischem Masterplan hervorzaubert, er hat verloren. Er weiß es nur noch nicht. Oder will es nicht wahrhaben. Weil dem bislang alles viel zu einfach in den Schoss gefallen ist. Weil er deswegen an seinen Genius glaubt. Das haben arrogante, machtbesessene 32jährige, die meinen, sie könnten Machiavelli übertrumpfen, so an sich. Ich habe den, bei aller Anerkennung seiner machtstrategischen Fähigkeiten, schon die längste Zeit auf das Niveau kleinlicher Strategiespielchen in irgendeiner Studenten- oder Jugendorganisationen zugeordnet. Von dort kommt er ja, aus der Jungen ÖVP. Durchaus talentiert, aber für mehr reicht es nicht. Er hätte dort bleiben und warten sollen.

Große Worte, ich weiß, es wird Zeit, dass ich belege, wie ich dazu komme. Schließlich geht es um Strache, der ist doch erledigt, warum schreibe ich über Kurz? Weil es nur mehr um sein Schicksal geht. Kurz hat zwei Optionen. Entweder er macht mit einer personell veränderten FPÖ weiter oder er geht in Neuwahlen. Beide Varianten sind das Ende seiner höchst suspekten Allmachts- und Veränderungsfantasien.

Ich beginne mit Variante zwei, denn Kurz braucht die FPÖ. Er saugt ihre Stimmen ab, das geht in diesem Ausmaß nur, wenn er sie in einer gemeinsamen Koalition paralysiert. Ihm gegenüber. Nach außen braucht er sie als Krawallmacher in der Koalition, denn im Windschatten der permanenten öffentlichen Entrüstungen über diese Schmuddelpartei kann er ruhig und gelassen seine Pläne verwirklichen. Im Klartext, die FPÖ schlägt die Breschen durch die roten Linien, Kurz tänzelt elegant hinterher und keiner bemerkt es. Außer die sind mal wieder zu wild, dann lässt er den Oberlehrer raus. Um danach frisch fröhlich mit dem Niederreißen roter Linien weiterzumachen bzw. diese weiter niederreißen zu lassen. Jeder ist froh, wenn Kurz nur die Hälfte dieser roten Linien überschreitet, die FPÖ für sich wäre noch weit radikaler. Nur auch so kippen die roten Linien der Reihe nach, nur langsamer. Das war auch sein Plan. Der Mann ist gefährlich, Strolz hat nicht umsonst vor dem gewarnt. Er spielt ein höchst perfides Spiel. Ist die FPÖ aus der Regierung draußen, geht Kurz in Neuwahlen, ist dieses Spiel beendet. Mit keiner anderen Partei, nicht einmal mit den Neos, könnte er dieses Spiel treiben.

Bleibt ihm noch mit einer personell veränderten FPÖ weiter zu machen. Schwierig, es ist zuviel passiert. Es ist ja nicht nur dieses Video, die ganze Geschichte mit dieser FPÖ spitzt sich schon die längste Zeit nur mehr zu. Macht er mit denen weiter, läuft er Gefahr, sein Image als unbefleckter Rockstar vollkommen zu verlieren. Auch und vor allem international. Er sieht und verkauft sich ja als neuer Star am konservativen Himmel. Der es als Einziger in Europa schafft, die Rechtsextremen zu bändigen. Das ist kräftig daneben gegangen. Diese Show ist gelaufen. War auch eine vertrottelte Idee, daran ist schon Schüssel gescheitert. Und es würde jeder andere ebenfalls scheitern. Nur hat Mr. Wonderboy geglaubt, er wäre etwas Besonderes. Und der glaubt das weiter. Nur zu, die Geschichte um dieses Video und allen Abgründen, die sich hier auftun, ist noch lange nicht zu Ende.

Was wird er tun? Ich bin kein Prophet, trotzdem wage ich eine Prognose. Wenn ich diesen Dilettanten richtig einschätze, überschätzt er sich. Und geht in Neuwahlen. Wenn nicht schon vor der EU-Wahl, dann danach. Weil er - wie ich bei nicht wenigen Journalisten lese - die besten Chancen hat, so richtig durchzustarten. Von 40 Prozent und mehr ist da die Rede. Das sehe ich anders. Wenn er die Zusammenarbeit mit der FPÖ schmeißt, wird er gefragt werden, ob es eine Neuauflage nach der kommenden Wahl geben könnte. Es wäre absurd, würde er das bestätigen. Lässt er es offen, ist er als machtgieriger, rechtspopulistischer Spieler entlarvt, der politisch über Leichen geht. Nicht geringe Teile seiner liberal-konservativen ÖVP-Anhängerschaft werden da nicht mehr mitgehen. Die wollen diesen Wahnsinn nicht ein zweites Mal erleben. Schließt er eine Zusammenarbeit mit den Blauen dezidiert aus, was die einzig nachvollziehbare Schlussfolgerung aus diesem Desaster wäre, rennen die ihn in einer furiosen Wahlschlacht gegen die Wand. Und holen sich einen Teil jener Stimmen zurück, die er sich bei den letzten Wahlen geholt hat.

Es gäbe noch eine dritte Variante, eine Minderheitsregierung. Na wer wird die nächsten dreieinhalb Jahre dem seine Show unterstützen. Da müssten alle anderen Parteien geisteskrank geworden sein.

Was immer der gute Mann tut, seine eigentliche Intention, Österreich in die Richtung einer illiberalen Gesellschaft zu verändern, ist gescheitert. Das geht nur mit der FPÖ. Was hier gerade passiert, ist der Anfang vom Ende dieses Spielers. Es wurde auch Zeit, Österreich ist ein Land und kein politisches Spielfeld eines Jugend- oder Studentenvereins. Wie lange das dauern wird? Keine Ahnung. Aber eines ist sicher, was bisher war, und nur mehr wahnwitzige Auswüchse angenommen hat, ist mit heute beendet. Das bedeutet nicht, dass es nicht noch irrwitziger weiter gehen könnte. Nur dann ist Kurz umso schneller Geschichte. Und dort gehört der hin.

PS: Was in diesem Video zu sehen ist, ist unfassbar. Aber nicht weniger unfassbar ist, dass es dieses Videos bedurfte, Strache ein Ende zu setzen. Es ist unfassbar, dass bei diesen ganzen rechtsextremen, neonazistischen "Einzelfällen" diese Regierung nicht schon längst am Ende gewesen ist. Das ist neben diesem irren Video der eigentliche Skandal.

Letzte Änderung: 18. Mai 2019 08:33